MICHAELA OERTLI · HALTUNG IN DER PFERDEUNTERSTÜTZTEN ARBEIT

Pferde sind keine Kulisse.

Warum Intuition und Methodik für mich zusammengehören.

Michaela Oertli bei ihren Pferden

Ein Pferd auf einer Weide, ein besonderer Moment, ein Mensch, der berührt ist. Daraus entsteht noch nicht automatisch ein Coachingprozess. Mich interessiert, wie wir solche Begegnungen begleiten – und welche Verantwortung wir dabei für Mensch und Tier übernehmen.

Für mich gehören ein klarer Auftrag, feine Wahrnehmung und die Bereitschaft zusammen, sich auf das einzulassen, was tatsächlich geschieht. Das Pferd ist dabei ein eigenständiges Lebewesen mit eigenen Bedürfnissen und Grenzen.

Begegnung lässt sich nicht herstellen.

Manchmal entsteht Nähe. Manchmal braucht es Abstand. Ein Pferd darf sich abwenden, pausieren oder sich für etwas anderes interessieren. Es muss keine bestimmte Reaktion zeigen und kein vorab geplantes Ergebnis liefern.

Deshalb gehört zur professionellen Begleitung auch, eine Aufgabe zu verändern oder zu beenden. Die Bedürfnisse des Pferdes sind kein Zusatz zum Coaching. Sie gestalten den Rahmen mit.

Intuition ist ein Anfang für eine Frage.

In der Begegnung nehme ich oft etwas wahr, bevor ich es in Worte fassen kann: eine veränderte Spannung, ein Zögern, einen anderen Rhythmus. Dieses Gespür hat in meiner Arbeit einen wichtigen Platz.

Ich behandle es als Hinweis, dem ich sorgfältig nachgehe. Was habe ich konkret beobachtet? Was vermute ich? Was sagt der Mensch selbst dazu? Meine Intuition darf eine Frage öffnen. Sie bestimmt nicht, was über einen anderen Menschen wahr ist.

Methodik gibt dem Erleben eine Richtung.

Die AHAA®-Methodik verbindet Analyse, Herausforderung, Auswirkung und Aktion. Wir klären das Anliegen, ermöglichen eine passende Erfahrung, reflektieren sie und entwickeln einen nächsten Schritt.

Dieser Rahmen lässt Raum für das Ungeplante. Wenn etwas anderes auftaucht, schauen wir genauer hin. Die Methode hilft mir, den Zusammenhang mit dem Anliegen zu halten und mein Vorgehen zu begründen. Wahrnehmung und Intuition bleiben dabei lebendig.

Was ich unter Coaching verstehe.

Natur erleben, ein Pferd berühren oder zur Ruhe kommen kann wertvoll sein. In einem Coaching kommt für mich die bewusste Arbeit an einem Anliegen hinzu: Was möchte der Mensch verstehen oder verändern? Welche Erfahrung ist hilfreich? Was lässt sich daraus für den Alltag mitnehmen?

Ich verspreche keine Heilung durch die Anwesenheit eines Pferdes. Auch eine eindrucksvolle Szene oder eine starke emotionale Reaktion ist für sich genommen kein Beleg für Veränderung. Entscheidend ist, welche Bedeutung der Mensch selbst darin erkennt und was er damit anfangen kann.

Das Verhalten des Pferdes wird deshalb auch nicht zur Diagnose. Wir unterscheiden Beobachtung und Deutung und lassen Raum für unterschiedliche Erklärungen.

Drei Fragen für Deinen nächsten AHAA-Moment.

  1. Was nehme ich wahr? Beschreibe zuerst, was tatsächlich zu beobachten ist.
  2. Was vermute ich? Erkenne Deine Deutung als eine mögliche Erklärung.
  3. Was möchte ich klären? Formuliere eine offene Frage, statt die Antwort vorwegzunehmen.

Das kannst Du auch im Alltag ausprobieren – wenn Du eine knappe Nachricht erhältst, ein Gespräch stockt oder jemand Abstand braucht. Ein genauerer Blick kann den Raum für ein anderes Gespräch öffnen.

So verstehe ich meine Ausbildungsarbeit.

In der AHAA® Professional mit Pferden bauen wir auf vorhandenen Kommunikations- und Begleitkompetenzen auf. Du lernst, den methodischen Rahmen anzuwenden und gleichzeitig Deine Wahrnehmung, Dein Gespür und die Begegnung mit dem Pferd zu vertiefen.

Ich wünsche mir eine Arbeit, die Mensch und Pferd ernst nimmt: mit fachlicher Klarheit, Offenheit für die Begegnung und Verantwortung für das eigene Handeln.

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