MICHAELA OERTLI · MENSCHEN & PFERDE

Was Du siehst – und was Du daraus machst

Ein Mann beobachtet ein Pferd auf einer grünen Weide – KI-generiertes Themenfoto.

KI-generiertes Themenbild

Ein Pferd geht einen Schritt zurück. Sofort ist ein Gedanke da: Es mag mich nicht. Oder: Ich habe etwas falsch gemacht. Vielleicht kennst Du diesen schnellen Sprung auch aus Deinem Alltag. Jemand antwortet knapp, schaut weg oder meldet sich nicht – und im Kopf ist die Geschichte schon fertig.

Im pferdeunterstützten Coaching interessiert mich dieser Moment besonders: der kleine Abstand zwischen dem, was geschieht, und dem, was wir darin erkennen wollen.

Erst beobachten, dann fragen

„Das Pferd geht einen Schritt zurück“ beschreibt eine Beobachtung. „Das Pferd lehnt mich ab“ ist bereits eine Deutung. Beides kann sich im ersten Moment gleich wahr anfühlen. Doch nur das eine haben wir tatsächlich gesehen.

Das Verhalten eines Pferdes kann viele Gründe haben: Abstand, Aufmerksamkeit für die Umgebung, eine Bewegung des Menschen oder etwas ganz anderes. Aus einer einzelnen Reaktion lässt sich nicht sicher ablesen, was ein Mensch fühlt oder wer er ist. Das Pferd muss keine Botschaft für uns bereithalten, damit eine Begegnung wertvoll sein kann.

Ein Beispiel zum Mitdenken

Stell Dir eine Übung vor: Du näherst Dich einem Pferd, und es wendet den Kopf ab. Du könntest schneller werden und versuchen, seine Aufmerksamkeit zurückzugewinnen. Du könntest aber auch innehalten und fragen: Was habe ich gerade wahrgenommen? Welche Geschichte erzähle ich mir dazu? Was brauche ich, um ruhig weiterzuschauen?

Vielleicht entsteht daraus eine Frage, die weit über die Begegnung hinausgeht: Wie schnell nehme ich Distanz persönlich? Das ist keine Diagnose und keine Antwort, die das Pferd gibt. Es ist eine Einladung, Deine eigene Reaktion kennenzulernen.

Dein kleiner AHAA-Moment im Alltag

Wenn Dich die nächste knappe Nachricht beschäftigt, notiere drei Sätze:

  1. Ich beobachte: Was ist konkret geschehen?
  2. Ich deute: Welche Bedeutung gebe ich dem gerade?
  3. Ich kann nachfragen: Was würde mir helfen, es besser zu verstehen?

Du musst Deine erste Deutung nicht wegschieben. Du kannst ihr eine zweite Möglichkeit zur Seite stellen. Manchmal beginnt genau dort ein anderes Gespräch.

Was mir in der Begleitung wichtig ist

Ich möchte Raum schaffen, in dem Du selbst genauer hinsehen kannst. Mit Respekt für Deine Wahrnehmung und für das Pferd als eigenständiges Lebewesen. Nicht jede Begegnung braucht ein grosses Ergebnis. Eine ehrlichere Frage kann bereits ein wertvoller nächster Schritt sein.

Mehr über diese Arbeitsweise findest Du bei AHAA® und dem pferdeunterstützten Coaching. Wenn Du sie selbst professionell erlernen möchtest, entdecke Deinen individuellen Ausbildungsweg.

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